01.09.2010
Die rund 1.000 Spätaussiedler, die in diesem Jahr bisher nach Deutschland gekommen sind, hat vor 20 Jahren allein das Land NRW an einem durchschnittlichen Montag aufgenommen. Mittlerweile schlägt das Pendel in die andere Richtung: Immer mehr Spätaussiedler wollen zurück in ihre Heimat. Der Caritasverband für den Kreis Unna hat jetzt im Rahmen eines Landesprojektes eine Analyse zu dem Thema durchgeführt – und spricht sich für die Errichtung einer Servicestelle aus, die die bestehenden Beratungsstellen der Integrations- und Migrationsfachdienste mit Wissen versorgt.
Nach Schätzungen der Universität Trier sind in den vergangenen Jahren 8.000 Menschen in ihr Heimatland zurückgekehrt. Die Beratungsstellen spüren den Trend deutlich: Bei den 32 Einrichtungen, die sich an der Erhebung beteiligt haben, suchten in den vergangenen zwei Jahren jeweils mehr als 300 Spätaussiedler Hilfe. Sie alle wollten in ihre Heimat zurückzukehren. Die Gründe für den Wunsch der Aussiedler liegen vielfach gar nicht bei den Betroffenen selbst, sondern sind hausgemacht. Durch Verschärfungen in der Gesetzgebung etwa werden seit einigen Jahren Großfamilien getrennt –Ehepartner und Abkömmlinge von Spätaussiedlern müssen beispielsweise einen Sprachtest bestehen, bevor sie nach Deutschland einreisen dürfen. „Entsprechend groß ist die Rolle, die die familiären Gründe bei Ausreisewilligen spielen“, schildert Sozialarbeiter Krzysztof Dittrich, bei der Caritas für den Kreis Unna als Migrationsberater tätig. Weitere Gründe für den Ausreisewunsch sind eine „nicht gelungene Integration“ – in vielen Fällen durch Arbeitslosigkeit bedingt – sowie Heimweh. Oft entsteht eine Pendelbewegung: „Die Menschen reisen zwischen ihren geteilten Familien hin und her“, berichtet Dittrich.
Für die Arbeit in den Beratungsstellen ergeben sich mit der neuen Entwicklung ganz neue Fragestellungen – konkret beispielsweise die, ob im anderen Land die Schulzeugnisse der Kinder anerkannt werden oder was mit der Rente passiert. Die Caritas fordert ein Umdenken: „Wir müssen einfach akzeptieren, dass es Spätaussiedler gibt, die wieder zurück in ihre alte Heimat wollen“, sagt
Ralf Plogmann, Abteilungsleiter bei der Caritas für den Kreis Unna. Er empfiehlt, der Rolle der Familie in der Beratung eine stärkere Bedeutung beizumessen – und eine bessere Bündelung des Fachwissens.